„Die Zukunft des Christentums liegt nicht in Europa, sondern in Afrika und Asien.“ Diese Ansicht vertrat Prof. Dr. Stephan Holthaus, Rektor der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Anfang Februar in einer Plenarveranstaltung der Hochschule.

Derzeit fänden grundlegende Veränderungen im Christentum statt, die es so Jahrhunderte nicht gegeben habe. Litten die Kirchen Europas unter „geistlicher Schwindsucht“, geschähen in anderen Teilen der Welt riesige geistliche Aufbrüche. Schon jetzt sei Afrika der Kontinent mit den meisten Christen. Auch Asien würde aufholen. Die Zahl der Christen schätze man dort auf 400 Millionen. In China habe es in den letzten Jahrzehnten trotz Verfolgung eine große Erweckung gegeben. Man könne davon ausgehen, dass dort 50 Millionen Menschen zum Glauben gekommen seien. So etwas habe es nie vorher in der Kirchengeschichte gegeben. 1949 hätten alle Missionare dieses Land verlassen müssen. „Gott aber hat China nicht verlassen, im Gegenteil.“

In Deutschland gäbe es zwar einen starken Rückgang der Mitgliedszahlen in den Großkirchen, aber vereinzelt auch geistliche Aufbrüche. Holthaus nannte die hohe Zahl von Gemeindeneugründungen, von Hausgemeinden und Gebetszellen, innerhalb und außerhalb von Kirchen und Freikirchen. Er hob besonders die große Zahl der Taufen von Konvertiten hervor, aus dem Iran, dem Irak und Afghanistan. Auch so etwas habe es in Deutschland nie zuvor gegeben. „Deutschland ist Gott nicht egal“, so der Rektor der Hochschule.

Für die theologische Ausbildung sei eine Beschäftigung mit weltweiten Trends notwendig, um den Nachwuchs auf die Herausforderung der Zukunft vorzubereiten. Theologen müssten einen weltweiten Horizont haben und von den internationalen Christen lernen. „Der Blick über den Tellerrand hinaus ist heute mehr als nötig.“ Die FTH wolle ihre Internationalisierung weiter ausbilden. Holthaus plädierte dafür, ein Auslandssemester im Studium auch in der 2/3 Welt zu verbringen.