Campusvereinbarung

„Darum setzt alles daran,
dass zu eurem Glauben Charakterfestigkeit hinzukommt
und zur Charakterfestigkeit geistliche Erkenntnis,
zur Erkenntnis Selbstbeherrschung,
zur Selbstbeherrschung Standhaftigkeit,
zur Standhaftigkeit Ehrfurcht vor Gott,
zur Ehrfurcht vor Gott Liebe zu den Glaubensgeschwistern
und darüber hinaus Liebe zu allen Menschen.
Denn wenn das alles bei euch vorhanden ist und ständig zunimmt,
wird euer Glaube nicht untätig und nicht unfruchtbar bleiben,
und ihr werdet Jesus Christus, unseren Herrn,
immer besser kennen lernen.“
(2Petr 1,5-8 NGÜ)

Die Ausbildung an der FTH zielt auf eine ganzheitliche Vorbereitung der Studierenden für den geistlichen Dienst. Dazu zählen neben Fachwissen und Fachkompetenzen, die in erster Linie in den Lehrveranstaltungen vermittelt werden, die Entwicklung von sozialen Kompetenzen, die Stärkung des geistlichen Lebens und die Persönlich­keitsentwicklung (vgl. Leitbild der FTH). Beide Bereiche, die akademische und die persönlich-geistliche Ausbildung, ergänzen sich gegenseitig (2. Petr 1,5-8). Mitarbeitende und Studierende verstehen sich als eine „Studiengemeinschaft“, die an der Verwirklichung dieser Ziele arbeitet.

Studierende und Mitarbeitende bringen mit dieser Campusvereinbarung zum Ausdruck, dass bei aller persönlichen Freiheit des Einzelnen bestimmte Aspekte des gemeinsamen Lebens an der FTH verbindlich gelebt werden wollen.


Wir wollen:

Gemeinsam Glauben leben
Gemeinsam persönliches Wachstum fördern
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Gemeinsam Wertschätzung zeigen


1. Gemeinsam Glauben leben

Die wichtigste Basis für den geistlichen Dienst ist das persönliche Glaubensleben. Dafür ist der Einzelne in erster Linie selbst verantwortlich. Die Integration in eine Gemeinde spielt dabei eine wesentliche Rolle. Dies kann und will die FTH nicht ersetzen.

Als Mitarbeitende und Studierende wollen wir uns aber auch gegenseitig in unserem Glaubensleben stärken. Dazu bieten die Plena, die Tutoriumsgruppen, die gemeinsamen Gebetszeiten sowie die Gemeinschaft in den Jahrgängen und auf dem Campus gute Möglichkeiten. Wir wollen aufeinander achthaben und uns gegenseitig im Glauben ermutigen und stärken.

Das gemeinsame Plenum ist für uns dabei die geistliche Mitte des FTH-Tages. Neben den Informationen aus und für die Studiengemeinschaft geht es dabei um die Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Wir bemühen uns, in den Plena zur Ruhe zu kommen, Gott und sein Wort in den Mittelpunkt zu stellen und durch das gemeinsame Singen und Beten geistliche Gemeinschaft zu leben. Die Plena dienen auch zur perspektivischen Vorbereitung auf zukünftige Dienstfelder.

Die Teilnahme an Plena und Tutoriumsgruppen ist uns wichtig. Wir nehmen deshalb regelmäßig daran teil. Wir haben Verständnis dafür, dass Einzelne aus persönlichen Gründen temporär nicht daran teilnehmen können, achten aber darauf, dass längere Abwesenheiten vermieden werden.


2. Gemeinsam persönliches Wachstum fördern

Für die ganzheitliche Ausbildung an der FTH ist auch die Persönlichkeitsentwicklung von großer Bedeutung. Die Entdeckung der eigenen Stärken und Entwicklungsfelder sowie der eigenen Prägungen soll helfen, sich für den späteren christlichen Dienst gut vorzubereiten.

Die Stärkung der eigenen Persönlichkeit ist dabei ein komplexer Prozess: Sie geschieht an der FTH durch den alltäglichen Umgang miteinander und durch spezielle Angebote von FTHplus. Sie berücksichtigt die individuellen Persönlichkeiten.

Als weiteres Angebot stehen für die Studierenden externe Mentorinnen und Mentoren zur Verfügung, die als Begleiter auf spezielle Fragen und Herausforderungen der Studierenden eingehen. Zum Kreis dieser Mentorinnen und Mentoren gehören viele Alumni.

Außerdem hilft die Beschäftigung mit professionellen Persönlichkeitsprofilen, eigene Potentiale und Grenzen kennen zu lernen. Weitere Beratungsangebote stehen ebenfalls zur Verfügung.

Als Lehrende profitieren wir von konstruktivem Feedback zu unseren Lehrveranstaltungen und dem gesamten Studienprogramm.

Wir wollen uns gemeinsam motivieren, die Persönlichkeitsentwicklung im Blick zu haben und zu fördern.


3. Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Gemeinschaft lebt davon, dass wir Verantwortung füreinander übernehmen und uns gegenseitig dienen, da der Glaube auch eine soziale Dimension hat. Zu dieser Verantwortung zählen in einem überschaubaren Umfang auch praktische Aufgaben an der FTH. Auf diese Weise unterstützen wir die FTH und beteiligen uns daran, Kosten einzusparen, damit die Studiengebühren moderat bleiben können.

Wir engagieren uns als Studierende z.B. durch die Übernahme von Ämtern der studentischen Selbstverwaltung (StuRa), unterstützen interne und öffentliche FTH-Veranstaltungen (z.B. Plena, Absolvierungsfeiern, Alumni-Treffen) und helfen bei kleinen praktischen Aufgaben mit (z.B. Ordnungsdienste, Reinigungsarbeiten).

Wir engagieren uns als Mitarbeitende z.B. in der akademischen Selbstverwaltung, in den Plena, den Tutoriumsgruppen, in der Beratung der Studierenden u.v.a.


4. Gemeinsam Wertschätzung zeigen

Für die Begegnung untereinander haben sich Mitarbeitende und Studierende einen „Code of Conduct“ gegeben:

Wir möchten …

  • jedem Menschen an der FTH mit Respekt und Liebe begegnen – unabhängig von Merkmalen wie Herkunft, Überzeugungen und Geschlecht;
  • uns vorschneller Urteile über die Einstellungen und Verhaltensweisen eines Menschen enthalten, indem wir versuchen, den Menschen nicht losgelöst von seinem persönlichen Werdegang und seinen jeweiligen Umständen zu verstehen;
  • uns durch die äußere Erscheinung, mangelnde Leistungsfähigkeit oder persönlichen Schwächen eines Menschen nicht davon ablenken lassen, ihn in seiner Einzigartigkeit als Ebenbild Gottes wahrzunehmen;
  • die Vielfalt der Ausdrucksformen christlichen Glaubens schätzen und fördern, uns im Dialog durch sie bereichern lassen und dabei aufeinander Rücksicht nehmen.

Diese grundlegenden Einstellungen sollen sich auch im Umgang mit anderen Menschen äußern, insbesondere in folgenden Punkten:

Wir möchten …

  • uns nicht nur auf einer fachlichen, sondern auch auf einer persönlichen Ebene begegnen, aufeinander Acht haben und uns gegenseitig helfen;
  • im täglichen Umgang Höflichkeit, Respekt und Integrität an den Tag legen;
  • Konflikte offen und zeitnah ansprechen und in einem fairen Austausch tragfähige Lösungen finden;
  • da, wo wir als Mitarbeitende oder Studierende in Leitungsaufgaben stehen, diese in Verantwortung vor Gott und den uns anvertrauten Menschen wahrnehmen und unsere Rolle als Dienst begreifen;
  • den Gremien der FTH und ihren Entscheidungen mit Respekt begegnen.

Das bisher Gesagte soll sich auch in unserer Arbeitsethik und in einer auf den geistlichen Dienst vorbereitenden Professionalität widerspiegeln:

Wir möchten …

  • ein Klima der Offenheit und Transparenz schaffen, in dem für alle Freude am Denken und Glauben gefördert wird;
  • Anregungen zur positiven Gestaltung von Leben und Studium an der FTH einbringen;
  • immer neu um einen Ausgleich zwischen eigenverantwortlichem Arbeiten und Rücksichtnahme auf andere bemüht sein;
  • beim Arbeiten unsere Denkvoraussetzungen und Methoden offen legen und bereit sein, uns und anderen ungeklärte Fragen einzugestehen;
  • in allen Diskussionen zwischen der Sach- und der Personenebene unterscheiden und anderen Meinungen fair, offen und korrekturfähig begegnen;
  • die Zeit aller achten, indem wir uns um Pünktlichkeit bemühen, effektive Abläufe gewährleisten und uns wie anderen vermeidbare Probleme ersparen;
  • verantwortlich mit dem Eigentum anderer und den Einrichtungen des Campus umgehen;
  • uns in Sprache und in unserem äußeren Erscheinungsbild um Angemessenheit bemühen;
  • in Lehrveranstaltungen das Gelingen gemeinsamer akademischer Arbeit fördern und Ablenkung sowie Störungen vermeiden;
  • Tugenden wie Wahrhaftigkeit, Fleiß und Disziplin fördern sowie die individuelle Persönlichkeitsentwicklung stärken.

Bei aller Arbeit soll das Wohl des Einzelnen innerhalb der FTH-Gemeinschaft zur Ehre Gottes im Zentrum stehen.

Beschlossen durch den Senat der FTH am 06.07.2015