„Wer hofft, lebt schon im Himmel.“ Mit diesem Ausspruch Martin Luthers unterstrich Professorin Dr. Athina Lexutt die Bedeutung der christlichen Hoffnung im Lebenswerk Martin Luthers in ihrem Festvortrag zum Reformationsjubiläum Anfang Oktober an der FTH. Lexutt, Professorin für Kirchen- und Theologiegeschichte an der Universität Gießen, stellte den bisher wenig erforschten Hoffnungsbegriff bei Luther in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Der Begriff spiegle wesentliche Inhalte von Luthers Theologie wider. Hoffnung bei Luther verbinde dabei Sünde mit Ewigkeit. Hoffnung sei „angenommener Glaube“, der hört, mahnt, wartet und duldet. Der Grund der Hoffnung sei bei Luther allein Christus (solus Christus) als Ausdruck der Güte Gottes, Gegenstand der Hoffnung sei das Erbarmen Gottes, das bis in die Ewigkeit reicht. „Hoffnung ist ein Ausstrecken nach dem, was schon ist“, so Lexutt. Im Unterschied zu irdischen Hoffnungssehnsüchten moderner Zeiten sei die christliche Hoffnung affirmativ, eine Gewissheit, die auch über den Tod hinausgehe. Der Hoffende fürchte nur noch Gott und sei deshalb getrost und furchtlos, wenn auch nicht ohne Anfechtung. Lexutt machte den Lehrenden und Studierenden Mut, Luthers Theologie auch heute zu erforschen und seine Botschaft der Hoffnung für die Gegenwart fruchtbar zu machen.

„Die Reformation ist ohne ihre Lieder nicht zu verstehen.“ Dies unterstrich Dr. Walter Hilbrands, Dekan der FTH, in seinem Vortrag über „Musik der Reformation“. Die Reformatoren hätten Anleihen an spätmittelalterliche und zeitgenössische Melodien und Vertonungen gemacht, sie aber textlich stärker mit der biblischen Botschaft verbunden. Ihre frühen Lieder waren mitunter Protestlieder gegen die Verfolgungen der Anhänger der Reformation, und ihre Kirchenlieder hatten einen starken Identifikationscharakter, der das evangelische Bewusstsein formte. Die leicht eingängigen Melodien, der mehrstimmige Gesang und die weite Verbreitung der protestantischen Liederbücher trugen maßgeblich zur Ausbreitung der Reformation bei. Luther selbst habe die „musica“ geliebt und als Gabe und Geschenk Gottes bezeichnet.

Eingebettet in den Studientag waren eine Lutherausstellung, ein „Luthercafé“ mit Leckereien, die auch Luther geschmeckt hätten, und Impulse von Lehrenden der FTH zur Bedeutung der Reformation für das Leben heute.