„Kinder und Jugendliche gehören in die Mitte der Gemeinde.“ Diese Ansicht vertrat Judith Hildebrandt, neue Dozentin für die missionarische Kinder- und Jugendarbeit in Anlehnung an Dietrich Bonhoeffer in ihrer Antrittsvorlesung an der Freien Theologische Hochschule Gießen. Kinder und Jugendliche seien nicht die Zukunft der Gemeinde, sondern ihre Gegenwart. Missionarischer Gemeindeaufbau müsse deshalb immer auch die junge Generation im Fokus haben.

Hildebrandt präsentierte neueste Ergebnisse der internationalen Jugendforschung. Die größte Herausforderung sei die Digitalisierung mit ihren Auswirkungen auf das Lese- und Denkverhalten junger Menschen. Durch längere Schulzeiten seien zudem die klassischen Nachmittagsangebote für Kinder und Jugendliche kaum noch möglich. Die Erosion der Kinder- und Jugendarbeit mit der gescheiterten Integration in den Hauptgottesdienst beträfe viele evangelische Kirchengemeinden, aber auch Freikirchen. In einigen Gemeinden sei die Jugendarbeit völlig zum Erliegen gekommen. Im Wertebewusstsein junger Leute sei heute zudem eine starke Ich-Zentrierung zu beobachten. Gott werde als „Wellness-Ressource“ verstanden, der in Notzeiten helfe und Beistand gebe. Bibeltexte würden zum Resonanzboden für das eigene Ich. Gerade diese Glaubenssituation von jungen Menschen mache die Notwendigkeit von theologisch ausgebildeten Personen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen Notwendigkeit.

Gott habe nach Hildebrandt schon zu biblischen Zeiten immer wieder Kinder und Jugendliche gebraucht. Berufungen seien nicht selten in der Jugendzeit erfolgt, so bei Samuel, David, Josia oder Daniel. Selbst die Jünger Jesu seien zum größten Teil noch junge Menschen gewesen, die Christus in seine Schule genommen und später in große Verantwortungen gestellt habe.

Hildebrandt hob hervor, dass der Schlüssel zum Glaubenszugang vor allen Dingen durch authentische Vorbilder entstehe. Studien belegen, dass bis heute die meisten Menschen weltweit zwischen dem 4. und 14. Lebensjahr zum christlichen Glauben finden. Gerade deshalb sei eine missionarische Kinder- und Jugendarbeit von Nöten, die nicht bedrängt, aber trotzdem den Ruf zum Glaube in den Mittelpunkt stelle. Angebote, die jungen Menschen heilsame biblische Lehre und verbindliche, liebevolle Gemeinschaft vermitteln, hätten immer noch großen Zulauf.

Der Rektor der FTH, Prof. Stephan Holthaus, hob die Bedeutung der neuen Dozentenstelle an der FTH hervor. Sie sei ein Signal, dass die Hochschule auch in einer Disziplin ausbilden wolle, die in den klassischen theologischen Fakultäten häufig ein Schattendasein führt. Die Stelle sei durch einen Stifter finanziert, dem besonders die missionarische Arbeit unter Kinder- und Jugendlichen am Herzen liegt.