Prof. Dr. Stephan Holthaus (l.) im Gespräch mit Dr. Thomas Middelhoff (r.)

 

Mit diesen eindrücklichen Worten fasste Dr. Thomas Middelhoff, ehemaliger Top-Manager Deutschlands, seine Erfahrungen aus dem tiefen Fall zusammen, der ihn 2014 persönlich ereilte. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann und Arcandor AG war damals überraschend wegen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt und noch im Gerichtssaal vor seiner Frau und den Kindern, wegen Fluchtgefahr verhaftet worden.

Middelhoff berichtete in einer Plenarveranstaltung vor über 200 Studierenden und Mitarbeitern der Freien Theologischen Hochschule Gießen eindrücklich und authentisch über seine Monate im Gefängnis. Der geschlossene Vollzug in der JVA Essen habe ihn an den Rand seiner gesundheitlichen Kräfte geführt. Die viertelstündige visuelle Überprüfung seines Zustandes wegen scheinbarer Suizidgefahr habe durch den damit verbundenen Schlafentzug eine unheilbare Krankheit ausbrechen lassen, mit der er bis heute stark zu kämpfen habe. Er hege aber keinen Groll, gegen niemanden. „Meine Maßlosigkeit und meine mangelnde Demut allein haben mich in diese Abgründe gestürzt.“ Dafür trage er allein die Verantwortung.

In der Isolation der Gefängniszelle habe er zurück zu Gott finden dürfen. Die Lektüre der Bibel, die Gefängnisgottesdienste und das Gebet hätten ihn gehalten, als nichts mehr hielt. Auch der Sozialdienst unter den Behinderten in Bethel als „Freigänger“ habe sein Leben verändert. „Von den Behinderten habe ich etwas gelernt, was ich nie in allen Vorstandssitzungen erlebte: bedingungslose Liebe und Annahme.“ „Sie, die nichts hatten, gaben mir so viel“, sagte der ehemalige Top-Manager, der alles hatte, und doch so arm war. Er bedauere heute seine Arroganz, hinter der eigene große Ängste gesteckt hätten. Er habe es damals verlernt, im Hier und Jetzt zu leben, sei ein Getriebener gewesen, unfähig, richtig auf Menschen einzugehen.

Den Studierenden gab er mit auf den Weg, lebenslang Lernende zu bleiben, nah an den Menschen zu sein und in allen Lebenssituation nie zu vergessen, dass Gott gerade in den Krisen besonders nahe sei.