Prof. Dr. Christof Sauer

 

„Anfeindung und Verfolgung gehören heute in vielen Ländern zu den Alltagserfahrungen von Christen.“ Diese Ansicht vertrat der neue Professor für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung, Prof. Dr. Christof Sauer, bei seiner Antrittsvorlesung an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen. Weltweit erfahre ungefähr jeder zehnte Christ Ausgrenzung, Benachteiligung, Hass oder offene Verfolgung.

Die Gründe und Motive für Christenverfolgung seien dabei unterschiedlich. Am offensichtlichsten sei derzeit „islamisch motivierte Unterdrückung“ durch radikale Gruppen wie dem IS im Nahen Osten oder Boko Haram in Nigeria. Dort seien die meisten Opfer zu beklagen. Im Hintergrund ständen nicht selten auch innerislamische Konflikte. Aber auch religiöser Nationalismus in überwiegend hinduistisch (z.B. Indien) und buddhistisch (z.B. Myanmar) geprägten Staaten sowie ethno-religiös begründete Animositäten (z.B. Kolumbien) seien Triebfedern für Ausgrenzung und Verfolgung von Christen. Von einem „konfessionellen Protektionismus“ spricht man beispielsweise in Russland, wo der Staat und die russisch-orthodoxe Kirche ein Bündnis zu Lasten anderer religiöser Gruppierungen eingegangenen seien. Von einer „kommunistischen Unterdrückung“ der Christen müsse in China, Laos und Vietnam gesprochen werden. Eine Art „diktatorische Paranoia“ herrsche in Nordkorea und Eritrea, die ebenfalls zur Bedrängung der Christen führe. Aber auch in westlichen Ländern gäbe es mitunter Ausgrenzung und Diffamierungen von Christen, gerade dann, wenn sie nicht ins säkulare Schema der Zeit passen.

Sauer betonte, dass Hass gegen Christen sehr unterschiedliche Gründe habe. Man müsse ihn auch im Kontext von Verletzungen der Religionsfreiheit gegenüber anderen Gruppen verstehen. Über solche Ausgrenzungen solle man sich gut informieren, für die Religionsfreiheit aller einstehen und auch den eigenen Glauben stärken. Mit der neuen Professur wolle er an der FTH das Bewusstsein schärfen, dass der Glaube immer auch angefochtener und bedrohter Glaube sei. Allerdings solle nicht Angst und Resignation dominieren, sondern Zuversicht und Hoffnung, denn Gott würde gerade in der Bedrängung den Christen nahe sein. Dem Hass der Verfolger solle man die Liebe und Barmherzigkeit Gottes entgegenstellen. Das wäre die passende Antwort auf die Welle der Verfolgung in unserer Zeit.